Neuigkeiten aus dem Pöllwitzer Wald

Aufmerksame Wanderer werden in den vergangenen Wochen das emsige Treiben auf der sog. Lehrgrenze aber auch auf anderen Heideflächen im Pöllwitzer Wald bemerkt haben. Im Auftrag des von Freistaat Thüringen und Europäischer Union geförderten Projektes zur Entwicklung von Natur und Landschaft „Zwergstrauchheiden Pöllwitzer Wald“ des Altenburger Naturkundemuseums Mauritianum wurden dringend notwendige Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen umgesetzt.

Zwergstrauchheiden – das sind die überwiegend von Heidekraut aber auch von Heidel- und Preiselbeeren bewachsenen, trockenen Offenlandbereiche inmitten des Pöllwitzer Waldes. Sie entwickelten sich einst vor allem auf den militärisch genutzten Bereichen der sog. Lehrgrenze, des Schießplatzes, des Taktik-Geländes und des Sprengmittelplatzes. Bis etwa 1990 wurden sie durch Militärfahrzeuge aber auch durch kleinere Brände „gepflegt“ und so auch verjüngt. Danach versuchten ehrenamtliche Naturschützer und die Untere Naturschutzbehörde den auch nach EU-Recht geschützten Lebensraum mit seinen seltenen, licht- und wärmeliebenden Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Doch trotz aller Mühen verschlechterte sich der Zustand der Zwergstrauchheiden dramatisch. 1997 existierten etwa 35 ha Heide, 2013 nur noch 21 ha. In den darauf folgenden Jahren verringerte sich der Bestand immer mehr. Im Spätsommer 2016 konnten lediglich 9,6 ha Zwergstrauchheide erfasst werden. Viele der zuvor als Heide charakterisierten Flächen waren nur noch als Entwicklungsflächen einzustufen. Und das obwohl in ihnen die typischen Pflanzenarten vorkamen. Schuld waren vielmehr die üppig aufgewachsenen Birken, die die Heide zu stark beschatteten.

In Abstimmung und enger Zusammenarbeit mit dem Flächeneigentümer, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und ihrer gemeinnützigen Tochtergesellschaft DBU Naturerbe GmbH, dem Bundesforstbetrieb und der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) konnte nun im Rahmen des oben genannten Projektes der Birkenjungwuchs durch ortsnah ansässige Firmen beseitigt werden. Allein durch diese Freischneidearbeiten erhöhte sich der Bestand an Zwergstrauchheide wieder auf fast 14 ha. Zusätzlich wurden auf einer etwa 2,4 ha großen Testfläche im Bereich der Lehrgrenze neben dem Birkenaufwuchs auch die Moos- und Grasschicht entfernt. Der dichte Wurzelfilz verhinderte bisher das Auskeimen der winzigen, aber über Jahrzehnte lebensfähigen Samen des Heidekrauts. Momentan erinnert diese Fläche eher an einen gut vorbereiteten Acker. Aber hier bietet sich der Zwergstrauchheide nun endlich wieder die Chance zur Verjüngung. Auch wenn in diesem Spätsommer nicht überall ein lila Blütenmeer bewundert werden kann, steigt für den Besucher dennoch der Erholungs- und Erlebniswert des Gebietes. Das menschliche Auge liebt die Abwechslung. Und diese ist auf den sich neu entwickelnden Flächen garantiert.

Um die erneute Verbuschung der Flächen langfristig zu verhindern, wird die Lehrgrenze noch in diesem Jahr durch Ziegen, Schafe und möglicherweise auch zwei Esel beweidet. Schafe sind vielen aus der Lüneburger Heide bereits als Heidepfleger bekannt. Ziegen mögen die frischen Blätter neu aufwachsender Bäume und Sträucher. Esel wiederum fressen gern Gräser, welche Ziegen und Schafe verschmähen. Außerdem schaffen sie durch Suhlen kleinflächig Bereiche ohne Pflanzenwuchs. Hier legen wärmeliebende Insekten ihre Eier ab. Und auch das Heidekraut kann dort keimen. Die Weidetiere helfen also beim Erhalt der Heide. Für sie wird ab Ende April ein Weidezaun errichtet. Dann können Spaziergänger die tierischen Landschaftspfleger bei der Arbeit beobachten.

Vor dem Entbuschen_Taktik

Im vergangenen Sommer beschatteten unzählige junge Birken die Zwergstrauchheiden.

Entbuschte_Fläche_Taktik

Auf solchen Freiflächen fühlt sich auch die in ihrem Bestand gefährdete Heidelerche wohl.

Nach dem Mulchen

Hier wurden Bedingungen geschaffen, in dem junges Heidekraut aufwachsen kann.

Esel als Landschaftspfleger

Esel sind bald auch im Pöllwitzer Wald als Landschaftspfleger im Einsatz.

Text und Fotos: Dr. Elisabeth Endtmann

Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg, Parkstr. 1, 04600 Altenburg

09.04.2017 – 8:30 Uhr – Frühlingserwachen an den Burgbergen der Drei Gleichen

Gemeinsame Exkursion der Natura-2000-Station „Gotha-Ilmkreis“ und der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg (NfGA)

Datum: 09. April 2017, 8:30 Uhr
Dauer: 3,5 Stunden
Treffpunkt: Tankstelle Mühlberg, 99869 Mühlberg,
Wanderslebener Straße 24
Koordinaten: 50°52‘25.5“N, 10°49‘49.2“E
Leitung: Dr. Wolfgang Klug (Gotha)

Frühlingserwachen an den Burgbergen der Drei Gleichen

Vom Parkplatz aus führt die Wanderung mit Blick zur Mühlburg hinauf auf den Höhenzug der Schlossleite. Unter dem noch lichten Blätterdach des Eschen-Ahorn-Schatthangwaldes am Nordhang können wir uns am Frühblüheraspekt mit Märzenbecher (Leucojum vernum) und Gelbem Windröschen (Anemone ranunculoides) erfreuen. In den alten Eichenmischwäldern auf dem Plateau finden wir zudem das Leberblümchen (Hepatica nobilis).

Im Gegensatz zu den artenreichen Waldlebensräumen führt uns die zweite Etappe auf die einzigartigen offenen, bunten Ton-Mergel Flächen, den sogenannten „Badlands“, am Hang der Burg Gleichen. Sie gehen über in kontinentale Trocken- und Halbtrockenrasen, wo Hunderte Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) die sonst noch kargen Rasen goldgelb erstrahlen lassen.

zartblaue Tropfen

28.03.2017 – 18 Uhr – Vortrag Dr. Elisabeth Endtmann (Mauritianum): „Hoffnung für die Heide?“

Seit Mai 2016 ist das Naturkundemuseum Mauritianum in Sachen Naturschutz auch im benachbarten Landkreis Greiz aktiv. Im Rahmen eines von EU und Freistaat Thüringen geförderten Projektes wird den geschützten Zwergstrauchheiden auf dem ehemaligen NVA-Übungsgelände im Pöllwitzer Wald besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Neben Heidekraut, Blau- und Preisselbeere wachsen dort auch seltene Bärlapp-Arten. Kreuzottern und Heidelerchen fühlen sich gleichfalls wohl. Doch das Vorkommen der seltenen Pflanzen- und Tierarten ist ohne das Zutun des Menschen in Gefahr. Bis 1990 „pflegten“ im Pöllwitzer Wald Panzer die Heide. Der militärische Übungsbetrieb ließ eine Wiederbewaldung der Flächen nicht zu. In den nachfolgenden Jahren übernahmen ehrenamtliche Naturschützer und die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises die zeit- und kostenintensive Pflege. Dennoch verschlechterte sich der Zustand der Heide dramatisch. Damit das rosa Blütenmeer im Spätsommer auch zukünftige Generationen erfreuen kann, müssen neue, nachhaltige Pflegekonzepte entwickelt werden. Über Möglichkeiten und erste Ergebnisse berichtet Dr. Elisabeth Endtmann am 28.03.2017 ab 18.00 Uhr im Mauritianum. Interessierte sind herzlich eingeladen!

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Foto (Mauritianum): Ist das Blütenmeer im Spätsommer noch zu retten?

18.03.2017 – 09:30 bis 14 Uhr – Beobachtend und forschend unterwegs im Altenburger Land – Vortragsveranstaltung der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg

 

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Vor 200 Jahren wurde in Altenburg eine Gesellschaft zur Erforschung der Natur gegründet – die Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. Sie legte auch den Grundstein für die naturwissenschaftlichen Sammlungen – das „Handwerkszeug des Naturforschers“, die seit 1908 im Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg aufbewahrt und stetig erweitert wird.

Anlässlich unseres Jubiläums „200 Jahre Naturforschung in Altenburg“ findet eine Vielzahl von Veranstaltungen statt. Ergänzend zu den beiden neu eröffneten Sonderausstellungen „Unterwegs in Sachen Biodiversität“ werden am Samstag, dem 18.03.2017, Mitglieder der Naturforschenden Gesellschaft von ihren Aktivitäten im Altenburger Land in einer öffentlichen Vortragsveranstaltung im Vortragsraum des Mauritianums berichten. Um 9.30 Uhr starten die Referenten mit kurzen Vorträgen über zoologische Arbeiten. Ab 12.10 Uhr steht dann die Botanik im Vordergrund. Die Themen der acht Vortragenden sind vielfältig. Sie reichen von Naturbeobachtungen in der Umgebung Gerstenbergs, Wildbienen, Schmetterlingen und Kranichen im Altenburger Land bis hin zu Untersuchungen der Vegetation in der Sprotteaue während der Nacheiszeit, zur Pilzflora im Landkreis und zur Pflanzenwelt des Leinawaldes. Außerdem wird über einen alten Exportschlager aus Lohma – den Lindenbast – berichtet. Bis etwa 14.00 Uhr besteht für alle Interessierten die Möglichkeit, Neues zu erfahren und mit den Vortragenden zu diskutieren. Die Naturforschende Gesellschaft Altenburg und das Mauritianum freuen sich auf Ihren Besuch.

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Programm

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09.30 – 09.40 Uhr:

Begrüßung

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09.40 – 10.00 Uhr:

Joachim Körner (Gerstenberg): 60 Jahre Naturbeobachtungen in der Umgebung von Gerstenberg.

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10.00 – 10.20 Uhr:

Ulrich Poller (Treben): Die Wildbienenfauna des Altenburger Landes.

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10.20 – 10.30 Uhr:

Pause / Diskussion

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10.30 – 10.50 Uhr:

Gerd Smyk (Lucka): Der Kranich im Altenburger Land.

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10.50 – 11.20 Uhr:

Maximilian Olbrich (Altenburg / Bernburg):

Ein kurzer Überblick über die Entwicklung der Tagfalterfauna des Altenburger Landes.

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11.20 – 12.10 Uhr:

Mittagspause

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12.10 – 12.30 Uhr:

Dr. Elisabeth Endtmann (Windischleuba):

Saara‘s Geheimnis – Makrofossil-Analysen im Altenburger Land.

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12.30 – 12.50 Uhr:

Frank Wendland (Nobitz): Erfassung der Pilzflora und Pilzaufklärung im Altenburger Land.

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12.50 – 13.00 Uhr:

Pause / Diskussion

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13.00 – 13.20 Uhr:

Dr. Hartmut Baade (Altenburg): Die Flora des Leinagebietes – ein Zwischenbericht.

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13.20 – 13.40 Uhr:

Wolfgang Paritzsch (Klausa): Lindenbast – ein alter Exportschlager aus Lohma a. d. Leina .

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13.40 – 14.00 Uhr:

Abschließende Diskussion

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04.04.2017 – 18.00 – Eröffnung der Kabinett-Ausstellung „Achat, Quarz, Turmalin….. – Minerale aus aller Welt. Sammler des Arbeitskreises Mineralogie Altenburg stellen sich vor“

Am 04. April. 2017 um 18.00 Uhr lädt das Naturkundemuseum Mauritianum zur Eröffnung der Kabinett-Ausstellung „Achat, Quarz, Turmalin….. – Minerale aus aller Welt. Sammler des Arbeitskreises Mineralogie Altenburg stellen sich vor.“ einschließlich eines mineralogischen Vortrages ein.

Mit dieser Ausstellung gewähren die Mitglieder des Arbeitskreises Mineralogie Altenburg dem Publikum einen Blick in ihre eigenen, oftmals bereits über Jahrzehnte zusammengetragenen Mineralien-, Gesteins- und Fossiliensammlungen.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung spricht Frank Hrouda vom Museum für Naturkunde Gera in seinem reich bebilderten Vortrag zum Thema „Pseudomorphosen – Die Lügner unter den Mineralien“. Schon jedem Mineraliensammler ist es einmal passiert, dass er in seiner Sammlung eine Mineralstufe vorgefunden hat, bei der nichts zusammen passt. Die Kristallform, die ein bestimmtes Mineral vermuten lässt, passt überhaupt nicht zur Härte, usw.

Minerale entstehen bei sehr unterschiedlichen, aber genau definierten Druck- und Temperaturbedingungen. Ändern sich diese Bedingungen, so verändern sich unter Umständen auch die zuvor gebildeten Minerale. Manchmal behalten sie ihre ursprüngliche Form bei. Das neu entstandene Mineral füllt den Raum (Kristall) des erst gebildeten Minerals aus und liegt nun in der Kristallform des nicht mehr existierenden Minerals vor. Genau dann liegt eine Pseudomorphose – eine „Lügengestalt“ – vor, etwas ganz Besonderes.

Im Vortrag wird eine ganze Reihe bekannter und „exotischer“ Pseudomorphosen von nationalen und internationalen Fundstellen vorgestellt. Außerdem wird versucht, die verschiedenen Typen von Pseudomorphosen anhand von Beispielen voneinander abzugrenzen.

Die Veranstaltung mit anschließendem Vortrag beginnt um 18.00 Uhr im Vortragsraum des Mauritianums. Interessierte sind herzlichst dazu eingeladen.

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Antimonit pseudomorph ersetzt durch Stibiconit,

19 x 10 cm, Fundort: San José Mine, Wadley,

Bundesstaat San Luis Potosi, Mexiko.

Foto: Frank Hrouda

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