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Völkerkundliche Sammlung

In der Blütezeit des Kolonialismus, im letzen Drittel des vorigen Jahrhunderts, entstand die völkerkundliche (ethnographische) Kollektion der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes, die in der Folgezeit beachtlichen Umfang annahm. Sie enthielt überwiegend Gegenstände, die Eingeborene aus Naturprodukten angefertigt hatten. Bereichert wurde die völkerkundliche Sammlung vor allem durch Geschenke von Handelsreisenden sowie Gouverneuren und Konsuln, die der Gesellschaft ihre Gunst erweisen wollten. So entstand eine umfangreiche Kollektion von afrikanischen Gebrauchs-, Schmuck- und Kultgegenständen, u.a. geflochtene Bastmatten, Pulvertaschen, Speere und Pfeile (einige mit Pfeilgift präpariert), kunstvoll geschnitzte Spazierstöcke, Fächer oder verschiedene Handtrommeln. Diese wurden vom Konsul Heinrich Stolle (korrespondierendes Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft) von 1890 bis 1895 in Westafrika zusammengetragen. Erwähnenswert sind außerdem einige Gegenstände aus Sumatra, die aus Knochen gefertigt wurden. Dazu gehören ein mit kunstvollen Ritzzeichnungen verzierter Halsschmuck und mehrere Büffelrippen, die mit Kriegserklärungen beschrieben sind.

Aus Japan gelangten z.B. Kleidungsstücke, Schreibutensilien, ein Modell eines traditionellen japanischen Wohnhauses, ein mit Papier bezogenes Fenster und eine tapezierte Schiebetür nach Altenburg. Auch Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg überreichte der Gesellschaft zahlreiche ethnographische Gegenstände aus seiner Rüstkammer. Doch schon 1910 beabsichtigte die Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes die völkerkundliche Sammlung aufgrund ihres enormen Umfanges aus dem Mauritianum auszulagern, denn die Gesellschaft benötigte den engbemessenen Raum im Museum vor allen Dingen für die zoologischen und geologischen Objekte.

Heute ist die ethnographische Kollektion im Museum für Natur- und Völkerkunde "Julius Riemer" in Wittenberg zu sehen, wohin diese 1956 als Dauerleihgabe abgegeben wurde. Nur ein Mumiensarg mit einer Mumie aus der Spätzeit Ägyptens ist in Altenburg verblieben. Dieser gelangte um die Jahrhundertwende aus dem sagenumwobenen Luxor, der Ruinenstätte der altägyptischen Residenz Theben, in die Sammlung der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes. Leider wurde die Mumie bei der Ankunft in Altenburg, vermutlich von unkundigen und neugierigen Höflingen, ihrer kunstvollen Hülle beraubt. Die Seitenwände des Holzsarges weisen noch originale Schriftzüge und Bemalung auf. Als Grabbeigabe findet man einen mumifizierten Totenvogel, den den Ägyptern heiligen Ibis. Die Mumie wird heute im Magazin des Lindenau-Museums aufbewahrt.


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Rindermaske (Tanzmaske), Gebrauchs- und Schmuck-
gegenstände aus Afrika


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Mumiensarg (ägyptische Spätzeit, um 720 Jahre vor Christi
Geburt) mit Mumie aus Luxor


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